Wenn einem die You-Tuberei als sinnlose Nachmittagsbeschäftigung zu gewöhnlich geworden ist, schlage ich vor ein paar Stunden mit Karton schnorren zu verschwenden. Man begebe sich dazu in Supermärkte, Drogerien oder Möbelgeschäfte, hechte auf uniformierte Damen zu, die sich bei Kassen, Informationsständen oder Abteilungscheckpoints - es handelt sich hierbei in der Tat ausschließlich um Frauendomänen - befinden und daher über ausreichend Kompetenz zur Beantwortung folgender Frage verfügen dürften:
"Haben Sie leere Kartons, die Sie nicht mehr brauchen ODER Umzugkartons?"
Eines, dieser wie folgt beschriebenen Szeniaren wird sich daraufhin ereignen:
1) Ehrliches Bedauern: von einer Mitarbeiterin, die beteuert, dass sie schon lange keine großen Kartons* mehr hätten und wenn, würden sie diese sofort zerkleinern oder wegschmeißen.
2) Nein mit Insidertipp: von einer Dame, die zuerst neben zwei Kolleginnen jediglich verneint. Ich danke, mache kehrt, wobei ich mich zurecht etwas verfolgt fühle und plötzlich leise hinter mir "Gnä Frau!" vernehme. Ich drehe mich um, es handelt sich um dieselbe Dame von vorhin, die mir jetzt breitgrinsend etwas zuflüstert. Ich kapiere nicht gleich, glaube aber dann doch verstanden zu haben und wiederhole: "IKEA?" Sie nickt, sich dabei umsehend und meint wieder flüsternd: "Ja, die haben bestimmt welche." Jetzt muss ich grinsen, bedanke mich für den tollen Tipp und gehe mit einem sehr freundlichen, nun wieder lautem "Schönes Wochenende" aus dem Möbelfachgeschäft.
3) Einfach nur Nein: von einer genervten, über ihre Brille schauenden Dame, welche mit sparsamen Worten einem beiderlei Bitten abschlägt, während hinter ihr leere Kartons zu sehen sind.
Ich habe mir dann riesige Müllsäcke besorgt. Schlussendlich bin ich dann sogar doch noch zu einem großen Karton gekommen. Wie? Das wird nicht verraten. Zuviel des Pathos ist's sowieso schon hier, weswegen heute einmal das EsgibtsiedochdiegutenMenschen-Ende ausgespart bleiben soll.
*Laut Wikitionary, tatsächlich der Plural von Karton